Slbstportraet

Ein Selbst porträtiert ...

 

Selbstporträt

 

Alte Gemäuer und alte Gesichter zeigen Spuren der Zeit, und die Spuren der Zeit erinnern uns daran, dass es ein Gestern gab. Das Gestern wirft uns auf das Heute zurück und lässt uns an das Morgen denken.

 

Manche bügeln sich die Falten aus der Visage, tackern schlaff gewordenes hinter die Ohren, stopfen dies und jenes in Lippen, Busen und Po, versuchen zu verjüngen, das Gestern vergessen zu machen, die Zukunft auszublenden.

Ha, vergebens ist das! Und dumm! Wir können die Zeit nicht anhalten wir können nur mit ihr gehen.  Die Spuren haben einen Wert. Sie sind die Patina, die Erinnerung , die Abnutzung und Ablagerung.

 

Das Selbstporträt ist sowohl bei Bildenden KünstlerInnen wie auch bei Fotografinnen und Fotografen immer verwendet worden. Nicht immer aus denselben Gründen natürlich. Für die Einen war es Übungsstück für Gesichtsstudien, für andere Selbstbeobachtung, bei wieder anderen Reflektion über das Sein oder den Zustand in dem man sich gerade befindet. Und natürlich ist es für viele einfach eine Spielerei.

Bei mir kommt alles zusammen. Reflektion, Spass und die Beobachtung von dem was mir da immer älter werdend täglich aus dem Spiegel entgegenblickt.

 

Und eine Entdeckung drang in mein Bewusstsein, denn die Nase die immer krümmer und länger wird, das Haar das längst zu silbern anfängt, die Augenlieder die wie kaputte Jalousien immer tiefer über die Augen sinken, die Runzeln und Falten die sich tief und tiefer graben, mäandern und canyonisieren, und die Erschlaffungen ganz grundsätzlich haben meinem Gesicht nicht etwa zugesetzt, sie machen es episch. Jawohl episch! Da lass ich nichts drauf kommen. Die Schluchten die sich links und rechts der Nasenwurzel Richtung Stirn graben stehen der Taubenlochschlucht in nichts nach und die Viamala ist nichts gegen das was sich auf diese Stirn einzufurchen beginnt.

 

Nein, und selbst wenn ich aussähe wie eine verrunzelte Version von Meister Joda wär ich immer noch schöner als diese botoxierten Tussen die sich mit ihren gelifteten Gesichtern,  aufgespritzten Lippen, silikonierten Brüsten und was weiss ich noch was alles, mit ihren Körpern ihr eigenes Mausoleum bauen.

 

Betrachtet also eure Gesichter, und tut dies mit einem Lächeln. Es gibt weder Grund für Selbstmitleid noch für Bedauern. Es gibt nur die Erkenntnis dass die Zeit uns mit sich reisst und wir auf diesem Trip besser keine Zeit verschwenden, oder wie Horaz in seiner «Ode an Leukonoë» schrieb: «Dum loquimur, fugerit invida aetas: carpe diem, quam minimum credula postero.»

(Noch während wir hier reden, ist uns bereits die missgünstige Zeit entflohen :Genieße den Tag, und vertraue möglichst wenig auf den folgenden!)

 

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