Ein Traum der Vergangenheit

Pfahlbaudorf

 

Vor mir erhob sich aus dem Morgennebel, der über dem Baldeggersee lag, ein Dorf auf Pfählen. Kinder rannten über die Balken, die die einzelnen Hütten verbanden, und am Ufer stiessen drei Männer ihren Einbaum ins Wasser.

Der Geruch wieder angefachter Feuer lag in der Luft und ich bekam Lust auf einen Kaffee.

Doch den gab es hier nicht. Auch keine selber gemachte Brombeerkonfitüre oder feine Butter. Keine Butterzüpfe zum z'Morge und keine Dusche. Und wenn wir schon dabei sind: Es gab weder Autos noch Atomkraftwerke noch pharmakologische Heilmittel oder TV. Nein, kein TV, nicht mal in Schwarz-Weiss.

Wenn mir also das nächste Mal so ein Träumer kommt und erzählt, dass «früher alles besser war», dann haltet mich bitte zurück. Ich wäre angetan, ihm ein kleines Scheitlein über den Scheitel zu ziehen (heisst der Scheitel Scheitel, weil man Scheiter darauf hauen kann? Nein?)

 

Von wegen alles besser! Und wann soll das «Früher» denn gewesen sein? Vielleicht in den 60ern? Wirklich, ey?

Oder dem ollen Mittelalter? Der Römerzeit oder früher? Ich sag euch was: Zu jeder Zeit «war es früher besser», weil sich nämlich niemand daran erinnern wollte, und wie diese Leute die vom Militär schwärmen, als wärs ein tolles Pfadilager gewesen. Dabei hat man einfach alles verdrängt!

 

Also, wenn schon das Gestern nicht besser war, könnten wir uns doch verdammt noch mal endlich aufraffen und versuchen, das Morgen etwas besser zu machen?

 

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